Springreiter in blauer Turnierjacke und weißer Reithose springt mit einem braunen Pferd über ein Hindernis mit blauen „Allianz“-Werbebannern in einem großen Stadion. Im Hintergrund sitzt dicht gedrängt das Publikum auf den Tribünen und verfolgt den Wettbewerb bei Sonnenschein.
27. Mai 2026

Fokus auf die Reit-WM: Daniel Deußers Traum von der Teilnahme in Aachen

Springreiter in blauer Turnierjacke und weißer Reithose springt mit einem braunen Pferd über ein Hindernis mit blauen „Allianz“-Werbebannern in einem großen Stadion. Im Hintergrund sitzt dicht gedrängt das Publikum auf den Tribünen und verfolgt den Wettbewerb bei Sonnenschein.

Daniel Deußer zählt zur absoluten Creme de la Creme des Springsports und ist einer der erfolgreichsten Reiter der Welt. Zu seinen größten Karrierehöhepunkten gehören die Mannschafts-Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (2016), der Weltcup-Sieg (2014) sowie prestigeträchtige Einzelsiege wie in Aachen, Calgary oder s’Hertogenbosch. Jetzt hat er die FEI World Championships Aachen 2026 im Blick. Über seine Ziele, die besondere Atmosphäre im Allianz Park und die Rolle seines Erfolgspartners Otello de Guldenboom hat er mit uns gesprochen.

Herr Deußer, erinnern Sie sich noch an Ihre erste Reaktion, als Sie im November 2023 gehört haben, dass die FEI World Championships 2026 in Aachen stattfinden werden?

Ich war auf jeden Fall begeistert. Aachen ist ein Veranstaltungsort, wo es wirklich an nichts fehlt. Sowohl für die Pferde als auch für die Reiter ist alles vorhanden. Jedes Jahr haben wir hier ein wunderschönes Turnier, und ich bin ganz klar der Meinung, dass Championate an genau solchen Plätzen stattfinden sollten.

Die WM ist jetzt nur noch gut zweieinhalb Monate entfernt und ist das große Ziel für nahezu alle Reiterinnen und Reiter. Für Sie auch?

Auf jeden Fall. Es wäre ein großes Ziel, 2026 in Aachen bei der Weltmeisterschaft an den Start gehen zu dürfen. Bis dahin müssen wir uns natürlich auch noch entsprechend beweisen. Aber Otello hat in der vergangenen Hallensaison sehr, sehr gute Platzierungen erzielt, er hat sich beim Weltcupfinale stark präsentiert und war schon im letzten Jahr in Aachen völlig unbeeindruckt von der besonderen Kulisse. Wenn er sich in dieser Saison ähnlich zeigt und wir über das Jahr verteilt einige gute Ergebnisse liefern können, dann wird diese Weltmeisterschaft ganz sicher zu einem meiner Hauptziele.

Wie groß ist Ihre Vorfreude – ganz unabhängig davon, ob Sie letztlich im Kader stehen oder nicht?

Die Vorfreude ist auf jeden Fall schon jetzt sehr groß – ob ich am Ende dabei bin oder nicht. Ein Championat im eigenen Land ist immer etwas Besonderes. Und wenn es dann noch in Aachen stattfindet, auf diesem weltberühmten Turnierplatz, dann kann man sicher sein, dass es ein großartiges Championat wird. Die Erwartungen sind hoch, aber Aachen hat in der Vergangenheit oft genug bewiesen, dass sie solche Events auf absolutem Topniveau veranstalten können.

Sie haben es bereits angesprochen: Otello wäre ein mögliches WM-Pferd für Aachen. Wie bereiten Sie ihn im Moment auf Aufgaben dieses Niveaus vor?

Momentan trainiere ich nicht grundsätzlich anders, nur weil eine Weltmeisterschaft ansteht. Otello ist ein Pferd, das ausdauertechnisch sehr gut trainiert ist und sowohl Gras- als auch Sandplätze hervorragend meistert. In meinem täglichen Training geht es vor allem darum, ihn mental frisch zu halten, damit er interessiert und motiviert bleibt. Natürlich reite ich ihn immer wieder auch auf dem Grasplatz, mache gymnastizierende Arbeit, gehe mal auf die Rennbahn – insgesamt versuche ich einfach, möglichst viel Abwechslung in seinen Alltag zu bringen. Das ist für ein Pferd wie ihn enorm wichtig.

Ein besonderes Merkmal der FEI World Championships Aachen 2026 ist, dass alle sechs Disziplinen an einem Ort ausgetragen werden. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für den Reitsport?

Das ist für unseren Sport eigentlich etwas sehr Ungewöhnliches, weil es heutzutage kaum noch Veranstaltungsorte gibt, an denen sich alle sechs Disziplinen gleichzeitig realisieren lassen. Gerade deshalb hat es einen enormen Wert, wenn ein Organisator das möglich macht. Es kommen viel mehr Menschen zusammen, sehr unterschiedliche Disziplinen treffen aufeinander, und damit entsteht auch eine ganz besondere gemeinsame Atmosphäre. Für den Reitsport insgesamt ist das ein starkes Signal.

Was macht diese Atmosphäre in Aachen für Sie ganz persönlich so einzigartig?

Es ist zum einen natürlich die unglaubliche Masse an Menschen, die nach Aachen kommt. Und es ist die Tatsache, dass die Zuschauer mehrere Disziplinen an einem Ort verfolgen können. Normalerweise muss man für verschiedene Disziplinen reisen, teilweise sogar in andere Städte oder Länder. In Aachen dagegen kann man an einem Tag Springen schauen, am nächsten Tag Dressur, Vielseitigkeit oder eine andere Disziplin – und alles auf engstem Raum. Das ist nicht nur für die Zuschauer ein großes Plus, sondern auch für die Veranstalter und für uns Reiter. Diese Dichte an Sport, Emotion und Publikum findet man weltweit nur ganz selten.

Erinnern Sie sich noch an die Weltreiterspiele 2006 in Aachen? Wie haben Sie dieses Ereignis erlebt?

Die Weltreiterspiele 2006 habe ich leider nur im Fernsehen verfolgen können, ich war damals nicht selbst am Start. Das Format war zu der Zeit noch ein bisschen anders, aber ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich das legendäre Pferdewechsel-Springen vor dem Fernseher verfolgt habe. Die Stimmung, die Bilder vom vollen Stadion, die Begeisterung – all das ist auch über den Bildschirm rübergekommen. Wenn wir es 2026 schaffen, in Aachen wieder eine ähnlich besondere Atmosphäre zu erzeugen, dann wird das eine Weltmeisterschaft, an die sich der Reitsport noch lange erinnern wird.