Boyd Exell und Bram Chardon im Doppel-Interview: Die beiden Fahr-Superstars fiebern den Weltmeisterschaften in Aachen entgegen
Sie sind die absoluten Superstars der Vierspänner-Szene und sie blicken voller Vorfreude auf die FEI World Championships Aachen 2026: Boyd Exell aus Australien und Bram Chardon aus den Niederlanden. Je näher das Highlight des Jahres vom 11. bis 23. August rückt, desto größer wird die Spannung. Im Doppel-Interview sprechen die hoch dekorierten Fahrer über ihre Vorbereitung, die besondere Atmosphäre im Allianz Park und die Leidenschaft für ihren Sport.
Was geht Ihnen durch den Kopf und durchs Herz, wenn Sie daran denken, dass in Aachen bei den Weltmeisterschaften sechs Disziplinen den Pferdesport in all seiner Vielfalt zeigen?
Boyd Exell: Das ist natürlich aufregend. Es macht das Ganze noch bedeutender, die ganzen Nationen fiebern dadurch stärker mit und interessieren sich noch mehr für Leistungen und Ergebnisse. Das gibt der Veranstaltung zusätzliches Gewicht. Aber sobald wir im Wettkampf sind, konzentrieren wir uns auf das, was wir tun, und blenden alles andere um uns herum aus.
Bram Chardon: Es ist gut für die Sichtbarkeit unseres Sports. Wenn alle Disziplinen zusammen stattfinden, kommen auch Leute, die ursprünglich wegen des Springreitens da sind, und bleiben dann, um das Fahren anzuschauen. So gewinnen wir ein neues Publikum für unsere Disziplin. Die Zahl der Zuschauer wird also auch beim Fahren enorm sein. Es ist ein bisschen wie bei den Weltreiterspielen damals. Aachen war 2006 sehr erfolgreich und dieser Ort hat sich als perfekte Location bewährt, um das zu wiederholen.
Wie fühlt es sich an, in Aachen zu starten? Können Sie uns mit ins Stadion nehmen, aber auch mit auf den Geländekurs, wo Ihr Marathon stattfindet?
Bram Chardon: Es ist für uns Fahrer sehr inspirierend, hier gemeinsam mit der Weltspitze jeder Disziplin am Start zu sein. Zu sehen, wie andere unter höchstem Druck Leistungen abrufen, und dann selbst auf den Platz zu fahren – die ganze Atmosphäre hier ist das Herz des Pferdesports. Alle Athletinnen und Athleten spüren hier ein bisschen zusätzliche Anspannung, einfach wegen des Ortes, an dem man ist. Und dann der Marathon: Wenn man die Wasserhindernisse sieht, stehen die Menschen in mehreren Reihen, und selbst entlang der geraden Streckenabschnitte ist man nie allein. Es sind immer irgendwo Leute, die einen anfeuern – das ist etwas ganz Besonderes.
Boyd Exell: Es sind viele Tausend Menschen da, und man hört die Lautstärke der Zuschauer wirklich. Das verleiht dem Fahren eine ganz besondere Atmosphäre. Man saugt diese Stimmung auf. Gleichzeitig versuchen wir aber immer, fokussiert zu bleiben.
Wie sieht Ihr Plan für die letzten Wochen vor den Weltmeisterschaften aus?
Boyd Exell: Wir haben beide noch ein paar weitere Turniere. In unserer Planung richtet sich alles auf Aachen aus. Das Wichtigste ist, die Pferde fit zu halten. Das bedeutet: nicht zu viele Turniere, aber auch nicht zu wenige – einfach ein gutes Gleichgewicht.
Bram Chardon: Wir haben eine Vorstellung davon, welche fünf Pferde wir mitnehmen wollen. Für jedes dieser Pferde haben wir zu Saisonbeginn bis Aachen einen individuellen Plan erstellt, mit dem jeweils optimalen Turnierkalender, um sie in Topform zu haben. Und es ist interessant – natürlich läuft nicht immer alles nach Plan, dann muss man seine Planung in Richtung Weltmeisterschaft eben anpassen. Wir kennen das Gelände in Aachen, also wissen wir, worauf wir uns vorbereiten müssen.
Was macht das Vierspänner-Fahren für Sie so besonders?
Boyd Exell: Es ist einfach der größtmögliche Spaß, den man im Sitzen haben kann! Und es ist gleichzeitig ein großes Team an Menschen beteiligt. Ein Pferdebesitzer im Spring- oder Vielseitigkeitssport schaut zu, wie der Reiter mit seinem Pferd in den Parcours geht und eine Leistung zeigt. Bei uns können Sponsoren, Besitzer oder Freunde mit auf dem Wagen sein. Sie sind Teil des Wettkampferlebnisses. Es geht nicht nur um den einzelnen Fahrer, sondern um die ganze Gruppe von Menschen. Das ist etwas Einzigartiges an unserem Sport. Deshalb haben wir bei jedem Turnier zehn bis zwölf Leute im Team. Es ist eine große Aufgabe, aber viele Hände machen die Arbeit leicht.
Bram Chardon: Und das Team ist auch taktisch auf dem Platz eingebunden. Im Marathon und im Kegelfahren findet viel Kommunikation zwischen Fahrer und Grooms statt; sie spielen eine sehr aktive und wichtige Rolle für dein Ergebnis. Du hast Leute am Boden, die die Wertung im Blick behalten, dich über Zwischenzeiten informieren und so weiter. Das ist nicht nur meine Aufgabe, sondern die eines ganzen Teams.
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