FEI Dressage World Championship: Charlotte Fry verteidigt ihren Weltmeistertitel von 2022
Bei den Weltmeisterschaften 2022 in Herning ging der Stern des Hengstes Glamourdale auf. Vier Jahre später strahlt er heller denn je: Im MEGGLE-Preis schenkte er seiner Reiterin Charlotte Fry erneut Gold – vor der Dänin Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St John Freestyle. Für einen bronzenen Gänsehautmoment sorgte die Deutsche Katharina Hemmer auf Denoix PCH, die mit ihrem Ritt eine kleine Sensation perfekt machte.
Das fachkundige Aachener Publikum erhob sich bereits, als der 15-jährige KWPN-Hengst auf die finale Schlusslinie des Grand Prix Special einbog. Kraftvoll, den gesamten Körper durchschwingend, federte er dem Schlussgruß entgegen. Er schien die Atmosphäre in sich aufzusaugen, das rhythmische Klatschen der 35.000 Menschen trug ihn förmlich die Mittellinie entlang. Wohl niemand im bestens gefüllten Hauptstadion hegte auch nur den Hauch eines Zweifels daran, soeben die Prüfung des alten und neuen Weltmeisters erlebt zu haben. Eine Prüfung wie aus einem Guss: Die erste Grußaufstellung – eine imposante Visitenkarte. Das anspruchsvolle Wechselspiel aus aktiv durchschwingenden Trabverstärkungen und akzentuierten Passagen – eine Augenweide. Und die Galopptour? Ein einziger Genuss. Schon nach dem Grand Prix hatte Charlotte Fry von einem „Gefühl wie noch nie“ im Sattel ihres Sportpartners gesprochen. Im Grand Prix Special wurde dieses Gefühl ohne Frage noch einmal übertroffen. „Er wird besser und besser“, sagte eine sichtlich bewegte Charlotte Fry. „Er liebt Aachen, er liebt es, sich zu präsentieren. Je mehr Menschen, desto besser!“ Und genau das durften die 35.000 Zuschauer erleben, als der Hengst völlig gelassen, den Jubel sichtbar genießend, aus der Arena schritt – zufrieden mit sich, seiner Leistung und dem nicht enden wollenden Applaus, der ihm und seiner Reiterin für starke 82,295 Prozent entgegenbrandete.
Nicht weniger emotional wurde es, als Katharina Hemmer und Denoix PCH das Viereck betraten. Mit einem neuen Personal Best hatten die beiden bereits maßgeblich zum Mannschaftsgold ihrer Equipe beigetragen. Der Grand Prix Special sollte nur die Zugabe – oder wie die 32-Jährige sagte: „die Kirsche auf der Torte“ sein. Und was für eine es wurde! „Fokus, Fokus, Fokus“ habe sie sich immer wieder selbst gesagt, gab Katharina Hemmer einen Einblick in ihre Gefühlswelt, während eine Lektion nach der anderen mit spielerischer Leichtigkeit gelang. Und sogar das letzte Halten, das im Grand Prix aufgrund der überschwellenden Emotionen doch sehr verwischte, sollte heute gelingen. „Ich bin absolut sprachlos“, so die Reiterin mit zittriger Stimme, nachdem 80,866 Prozent auf der Anzeigentafel aufleuchteten. Und immer, wenn das Wort auf ihren Sportpartner kam, schaffte sie es nicht, ihre Emotionen zu kontrollieren. „Er ist einfach mein bester Freund!“ Aus ebendiesem Grund kommunizierte sie auch sogleich die Entscheidung, ihren „Purzel“ – wie er im Stall liebevoll genannt wird – in der Grand Prix Kür, dem Lindt-Preis, nicht an den Start zu bringen. „Wir haben hier so viel mehr erreicht, als wir uns erhofft haben. Aufgrund einer kleinen Verletzungspause im Sommer hatten wir nicht genügend Zeit, die Kür vorzubereiten.“
Für ebendiese Kür am morgigen Samstagabend unter Flutlicht hat sich die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour vor allem eines vorgenommen: die Fehler aus dem heutigen Grand Prix Special nicht zu wiederholen. „Mein Pferd ist in einer so bestechenden Form. Ich hoffe sehr, dass die Reiterin es morgen auch sein wird“, sagte die 34-Jährige mit einem Anflug von Selbstironie. Mit Missgeschicken in den Wechseltouren und der Rechtspirouette hatte sie im Sattel ihrer 17-jährigen Stute Mount St John Freestyle zwar wertvolle Punkte liegen lassen, in vielen Teilen der Aufgabe aber mit einer beeindruckenden Silhouette und wunderbar fließenden Übergängen geglänzt. Am Ende bedeuteten 80,927 Prozent die Silbermedaille. In der morgigen Kür wird die Weltranglisten-Erste ein neues Programm vorstellen. „Freestyle liebt die Musik“, ist sich die Dänin sicher – und in diesem Moment huschte wieder ein Lächeln über ihr Gesicht. „Ich freue mich darauf.“
Die besten 18 Paare aus dem Grand Prix Special sind im Lindt-Preis startberechtigt, der am Samstagabend um 19 Uhr beginnt. Dann möchten auch die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten, Isabell Werth mit Wendy de Fontaine (79,544 %), und der belgische Doppel-Europameister Justin Verboomen (79,362 %) im Kampf um die Medaillen ein Wörtchen mitreden. Heute rangierten die beiden Paarungen aus Deutschland und Belgien auf den Plätzen vier und fünf.