FEI Driving World Championship Four-in-Hand: Boyd Exell zum achten Mal Weltmeister
In der dritten Teilprüfung, dem Kegelfahren um den Preis der Event Rent GmbH, wurden heute die Medaillen im Vierspännerfahren vergeben. Die Spannung in der Einzelwertung, dem Preis der Familie Richard Talbot, sowie in der Teamwertung, dem Baron und Baronin von Buchholtz Preis knisterte bis zum letzten Kegel.
Hinter der Ziellinie hielt es Boyd Exell nicht mehr auf dem Kutschbock. Während das Publikum den Australier bereits mit stehenden Ovationen feierte, sprang der 54-Jährige ab und ging zu seinen Pferden – jenen vier Wallachen, die ihm soeben zu seinem achten Weltmeistertitel verholfen hatten. Daan, Hero, Mister Bono van ’t Hooge und der 19-jährige Routinier in seinem Gespann, Checkmate, bekamen reichlich Streicheleinheiten und leise Worte des Dankes von ihrem Fahrer, der wenig später betonen sollte: „Ohne die Pferde sind solche Erfolge nicht möglich. Ich bin unendlich stolz auf sie.“ Erst dann stieg Exell zurück auf den Kutschbock. Zu den Klängen von „Live Is Life“ und dem rhythmischen Klatschen der Zuschauer im bestens besuchten Stadion 2 im Allianz Park ließ sich der Routinier feiern. Für sein achtes Gold. Endlich auch eines in Aachen – nachdem er die Weltreiterspiele 2006 verletzungsbedingt verpasst hatte.
Schon während der Tage im Allianz Park hatte Boyd Exell keinen Zweifel daran gelassen, wie viel ihm dieser Triumph bedeutete. „Ich habe hier eine ganze Menge Schüler am Start“, sagte der 54-Jährige. „Aber alle hatten Verständnis dafür, dass ich mich auf mich selbst konzentrieren musste.“ Wie eindrucksvoll ihm das gelang, erlebten die Zuschauer an diesem Sonntag: Im starken Trab führte Exell sein Gespann mit hohem Tempo durch den Kegelparcours, wählte die engen Linien präzise und behielt dabei jederzeit den Überblick. Die 0,3 Strafpunkte für die Zeitüberschreitung fielen nicht ins Gewicht. Mit insgesamt 142,64 Strafpunkten brachte der Australier seinen Vorsprung aus Dressur und Marathon sicher ins Ziel. Auf die Frage, wie lange er feiern werde, antwortete er lachend: „Wochenlang. Wenn nicht sogar die nächsten zwei Jahre.“
Über die Silbermedaille im Preis der Familie Richard Talbot freute sich Dries Degrieck. Im abschließenden Hindernisfahren behielt der Belgier eindrucksvoll die Nerven und kam mit lediglich 1,13 Strafpunkten ins Ziel. „Es war ein tolles Gefühl“, sagte Degrieck mit Blick auf sein Gesamtergebnis von 148,85 Strafpunkten und seine erste Einzelmedaille bei einer Weltmeisterschaft. „Meine Pferde und ich, wir haben die Atmosphäre hier in Aachen sehr genossen. Es war atemberaubend.“ Das dritte freudestrahlende Gesicht auf dem Podest gehörte dem US-Amerikaner Chester Weber – und der hatte es noch einmal spannend gemacht. Nachdem er die Ziellinie mit einem Kegelfehler und nach Ablauf der erlaubten Zeit passiert hatte, blähte er immer wieder die Wangen auf. Als er dann realisierte, dass ihm die Bronzemedaille nicht mehr zu nehmen war, begann die Jubelfahrt des 48-Jährigen. „Die Medaille gehört dem ganzen Team – allen voran natürlich meinen Pferden“, sagte Weber, der die Atmosphäre im Stadion mit nur einem Wort passend beschrieb: „Wow!“
Die beste Runde des Tages im Preis der Event Rent GmbH gelang dem Niederländer Bram Chardon. Und auch wenn sich der Traum von einer Einzelmedaille für den 33-Jährigen nicht erfüllte, hatte er am Ende allen Grund zur Freude: Gemeinsam mit seinem Vater Ijsbrand Chardon und dem Marathonsieger des Vortags, Koos de Ronde, triumphierte er in der Mannschaftswertung im Baron und Baronin von Buchholtz Preis. Das Team kam auf ein Gesamtergebnis von 315,13 Strafpunkten. „Wir wussten, dass wir alles geben mussten, um hier zu gewinnen“, sagte Bram Chardon. „Dass es nun wirklich geklappt hat, ist einfach wunderbar.“ Hinter den Mannschafts-Weltmeistern aus den Niederlanden belegten die Teams aus Australien mit 317,25 und Belgien mit 325,52 Strafpunkten die Plätze zwei und drei.