Drei Reiter stehen bei der Siegerehrung der FEI-Weltmeisterschaften Aachen 2026 auf dem Podium: Der Sieger in der Mitte auf Platz 1, flankiert vom Zweit- und Drittplatzierten. Dahinter applaudiert das Publikum; Blumen, Sponsorenlogos und Tafeln mit der Aufschrift „FEI World Championships Aachen“ rahmen die Szene ein.
23. August 2026

FEI Jumping World Championship: Der Schweizer Steve Guerdat ist der erste Weltmeister seines Landes

Drei Reiter stehen bei der Siegerehrung der FEI-Weltmeisterschaften Aachen 2026 auf dem Podium: Der Sieger in der Mitte auf Platz 1, flankiert vom Zweit- und Drittplatzierten. Dahinter applaudiert das Publikum; Blumen, Sponsorenlogos und Tafeln mit der Aufschrift „FEI World Championships Aachen“ rahmen die Szene ein.

Souveräner kann man nicht Weltmeister werden, als es Steve Guerdat in Aachen gelungen ist. Fünf anspruchsvolle Parcours von Weltniveau – und nicht ein einziger Abwurf für den Schweizer und seine Sportpartnerin Dynamix de Belheme.

Die Aachener Soers hielt den Atem an. Inmitten des vollbesetzten Stadions galoppierte eine schmale, braune Stute. Fast lautlos manövrierte sie sich über die mächtigen Hindernisse – eines nach dem anderen, mit einer Leichtigkeit, die beinahe spielerisch wirkte. Kein Raunen ging durch die Ränge, kein Schnalzen war zu hören. Nur gespannte Stille. Und der pure Genuss, dieser 13-jährigen Selle-Français-Stute bei ihrer außergewöhnlichen Runde zuzusehen. In ihrem Sattel: ein Stilist. Ein routinierter Reiter, dem in seiner Bilderbuch-Karriere bis zu diesem Tag nur ein Titel gefehlt hatte – der des Weltmeisters. Und es befand sich wohl niemand im weiten Rund, der dem 44-Jährigen diesen Triumph nicht von Herzen gönnte. Dann der letzte Sprung dieses Fünf-Gänge-Krimis – auch ihn überwanden die beiden fehlerfrei. Was darauf folgte, war eine Welle der Begeisterung: stehende Ovationen, tosender Applaus, wehende Fahnen und Jubelrufe, die durch das legendäre Hauptstadion brandeten. Und Steve Guerdat? Er parierte zunächst durch, schlug sich fassungslos die Hände vors Gesicht – und signalisierte im nächsten Moment, wem dieser magische Augenblick zu verdanken war: seiner Dynamix de Belheme. „Ein solch außergewöhnliches Pferd begegnet einem nicht automatisch alle vier Jahre – und schon gar nicht eines, mit dem man eine Weltmeisterschaft bestreiten darf“, sagte der sichtlich gerührte Steve Guerdat wenig später. Zugleich gab der Schweizer zu, in den vergangenen Tagen ungewohnt nervös gewesen zu sein. „Ich habe immer gesagt, dass ich meine Karriere nicht beenden möchte, ohne in Aachen gewonnen zu haben“, erklärte er. „Dass sich dieser Traum nun ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft erfüllt, ist etwas ganz Besonderes – und einfach unbeschreiblich.“ Mit diesem Triumph ist Steve Guerdats beeindruckende Titelsammlung nun vollendet: Er ist Europameister, Olympiasieger – und seit diesem Sonntag auch Weltmeister. „Mein Leben ist nun ein anderes – jetzt habe ich alles, was ich mir erträumt habe.“

Die 0,86 Strafpunkte von Steve Guerdat erwiesen sich für seine Konkurrenten als unerreichbare Messlatte. Der Kampf um die Plätze dahinter jedoch hätte spannender kaum sein können. Auf dem Silberrang strahlte schließlich ein Reiter, der sich im Verlauf dieser Weltmeisterschaften von Runde zu Runde steigern konnte: Thibeau Spits, gerade einmal 25 Jahre alt. 2025 war er bereits Mannschafts-Europameister geworden, erst vorgestern hatte er mit dem belgischen Team WM-Silber gewonnen. Nun bescherte ihm sein 11-jähriger Hengst Impress-K van’t Kattenheye Z mit insgesamt 5,60 Strafpunkten seine erste Einzelmedaille obendrauf. „Meine Karriere hat gerade erst begonnen – und es könnte kaum besser sein, als es jetzt ist“, sagte der junge Belgier, der nur lobende Worte für sein Pferd fand: „Es wird schwer, ihm jemals das zurückzugeben, was er für mich leistet. Er ist einfach unglaublich.“

Nicht minder emotional ist die Geschichte des dritten Mannes auf dem Podium. Der Brite Harry Charles erlebte in Aachen eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Im Sattel der Schimmelstute LT Holst Freda missglückte dem 27-Jährigen der Start ins Championat: Zwei Abwürfe standen zu Buche – und die Enttäuschung war ihm deutlich anzusehen. „Ich war sehr unglücklich darüber, dass ich diese Stute nicht so präsentieren konnte, wie sie es verdient hatte“, erzählte der Brite. Zwischenzeitlich habe er sogar darüber nachgedacht, aufgrund seines Kontos von 7,17 Strafpunkten zum Finale gar nicht mehr anzutreten. Was ihn schließlich umstimmte? „Ich habe ChatGPT gefragt, ob ich noch eine Chance auf einen der vorderen Plätze hätte“, erklärte er mit einem spitzbübischen Lächeln. Die Antwort lautete: „Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich!“ Und tatsächlich: In den beiden entscheidenden Runden fügte sich am Finaltag alles zusammen – das außergewöhnliche Vermögen seiner zwölfjährigen Sportpartnerin und seine eigene reiterliche Klasse. Mit zwei makellosen Runden machte Harry Charles das Unwahrscheinliche möglich: den Sprung von Rang 23 (!) auf den Bronzerang.

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