FEI Vaulting World Championship: Die Favoriten liegen in Führung
Am heutigen Donnerstag standen für die Voltigierer im Allianz Park die ersten Prüfungen auf dem Programm. Im Preis der Sparkasse ging es für Damen, Herren und Gruppe in die Pflicht.
Zwei Deutsche bei den Damen vorne
Am Rand des Zirkels atmete Kathrin Meyer noch einmal tief durch – „alles so machen wie zu Hause“ war ihre Devise, als sie als erste deutsche Athletin in das eigens für die FEI World Championships überdachte Stadion 3 im Allianz Park einlief. Erst rhythmisches Klatschen, dann setzte von den Rängen ein kraftvolles „Einer für alle, alle für einen“ ein – die Rückendeckung der Fans war ihr sicher, als sie auf ihrem bewährten Capitain Claus OLD zur Pflicht ansetzte, die ihre Longenführerin Gesa Bührig später als „eine ihrer besten, wenn nicht die allerbeste“ einordnete. Mit 8,549 Punkten setzte sich die 25-Jährige zunächst souverän an die Spitze des Klassements – bis ihre Teamkollegin Alice Layher an der Reihe war.
Die 24-jährige amtierende Weltcup-Siegerin und Vize-Europameisterin war mit dem klaren Vorsatz nach Aachen gereist, „zu zeigen, was ich kann“ – und löste dieses Versprechen eindrucksvoll ein. Doch nicht ohne zuvor ihren Ritualen treu zu bleiben: eine Apfelschorle und drei geheime Wörter, auf die sie sich während des Wettkampfes fokussieren möchte und die ihr nur Schwester Helen vor jedem Start entlockt. Dann war Alice Layher im Tunnel und nutzte die Bühne der Aachener Soers – „größer geht es nicht“ – mit Bravour: Ihr Pflichtprogramm wirkte wie aus einem Guss, in totaler Präzision und Eleganz, alle technischen Noten lagen über 9,0. Mit 8,788 Punkten setzte sie sich eindrucksvoll an die Spitze des Feldes – auch, weil Longenführer Daniel Zembrot brillierte und die zu Beginn noch etwas aufgeregte FBW Candy mit viel Gefühl vorstellte.
Franzose bei den Herren in Front
Zweimal – 2022 und 2024 – hat er in seiner eindrucksvollen Karriere bereits Einzel-Silber bei Weltmeisterschaften gewonnen, nun greift der Franzose Quentin Jabet bei der FEI Vaulting World Championship in Aachen nach dem ersehnten Titel. „Ich bin hier, um Weltmeister zu werden“, lautet die unmissverständliche Ansage des 23-Jährigen, der jedoch eine äußerst turbulente Vorbereitung hinter sich hat. „Die größte Herausforderung in diesem Jahr war, dass wir mehrfach das Pferd wechseln mussten“, berichtete der Franzose. Umso zufriedener zeigte er sich nach seinem Auftritt im Aachener Zirkel mit dem 17-jährigen Estado IFCE an der Longe von Loic Devedu, der mit starken 8,698 Punkten belohnt wurde: „Das Pferd war sehr entspannt und ist gut galoppiert“, lobte Jabet seinen Sportpartner, mit dem er seit zwei Monaten gemeinsam trainiert. Der KWPN-Wallach ist auf internationalem Parkett allerdings kein Unbekannter: Vor vier Jahren in Herning war er das Pferd, das Lambert Leclezio zum Weltmeistertitel trug. Nun soll er Quentin Jabet die Möglichkeit geben, in die Fußstapfen seines Landsmanns zu treten.
Auf Rang zwei liegt nach dem ersten Tag Sam Dos Santos. „Es war ein großartiges Gefühl, hier einzulaufen“, schwärmte der Niederländer mit Blick auf die imposante Kulisse im Stadion 3. „Mein Pferd war entspannt, ich war entspannt. Natürlich gibt es immer etwas, das noch besser laufen könnte, aber ich bin sehr zufrieden mit unserem heutigen Auftritt“, freute sich der 20-Jährige über seine Darbietung auf dem Rücken des KWPN-Wallachs Hero, der von Santos’ Schwester Emy longiert wurde. Der Deutsche Bela Lehnen, der mit dem 15-jährigen Schimmel Max an der Longe von Sarah Krauss antrat, komplettiert mit einem Ergebnis von 8,375 Punkten im Preis der Sparkasse die Top Drei.
Deutschland führt die Gruppenwertung an
Die deutsche Gruppe erwies sich bei Weltmeisterschaften einmal mehr als sichere Bank. Gleich zum Auftakt der FEI Vaulting World Championship untermauerten die Athleten in Schwarz-Rot-Gold eindrucksvoll ihre Ausnahmestellung in der Weltspitze. Auf dem Rücken von Ecuador NRW, longiert von Alexandra Knauff, zeigte das Sextett eine sehr starke Pflichtübung, die mit 8,075 Punkten bewertet wurde und souverän die Führung im Klassement bedeutete. „Wir hatten schon vor dem Einlaufen Gänsehaut – die Kulisse ist einfach einzigartig“, brachte Bela Lehnen das Gefühl seiner Teamkollegen Gianna Ronca, Philip Goroncy, Larina Herpertz, Yara Jolie Scheel und Fabio Ring auf den Punkt. „Vor unserem Heimpublikum als Führende aus dem ersten Tag zu gehen, ist etwas ganz Besonderes. Jetzt freuen wir uns riesig auf unsere Kür am Samstag.“ Die schärfsten Verfolger der deutschen Gruppe sind derzeit Österreich mit 7,748 Punkten und Frankreich mit 7,688 Punkten.
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